IT-Radar

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Green IT - Teil 3: Nachhaltigkeit in Unternehmen

Interview

Warum eigentlich sollten sich Unternehmen für den Einsatz von nachhaltiger Software entscheiden? Welche Rolle spielt nachhaltige Software beim Einsatz auf mobilen Geräten? Und nicht zuletzt, rechtfertigen die Vorteile das Engagement?

Im dritten Teil des IT-Radar Interviews mit Prof. Naumann und Herrn Markus Dick vom Umwelt-Campus Birkenfeld sprechen wir über die Chancen für Unternehmen beim Einsatz von nachhaltiger Software und beleuchten auch die Rolle von grüner Software im Kontext von mobilen Geräten.

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Interview zum Thema "Green-IT" Teil 3/4 (MP3, ca. 8 Min)


Das Interview zum Nachlesen:

Teil des beschriebenen Modells ist auch die Unterkategorie „Purchase“, hierzu schreiben Sie, dass es beim Erwerb von Software zum Beispiel durch Unternehmen notwendig ist, ökologische und soziale Kriterien genau zu spezifizieren und vertraglich festzuhalten. Abgesehen von moralischen Beweggründen, warum sollten Unternehmen diese zusätzlichen Anforderungen stellen?

Prof. Naumann: Es ist natürlich eine gute Frage, warum das überhaupt gemacht werden soll. Ich denke, dass neben dem volkswirtschaftlichen Nutzen, der ja offensichtlich ist, wenn insgesamt Ressourcen eingespart werden und wovon das Unternehmen zumindest indirekt profitiert, durchaus auch ein direkter Nutzen zu sehen ist, ein direkter monetärer Nutzen gegebenenfalls. Zum einen ist es natürlich für das Image eines Unternehmens sehr sinnvoll, wenn es sich mit Fragen der Green IT beschäftigt, weil das Thema Umweltfreundlichkeit im Moment in der gesellschaftlichen Diskussion auch stark vertreten ist.

Ich erinnere an die Diskussion, welche die Firma Apple gerade aushalten musste bezüglich der Produktion ihrer Geräte und der dafür eingesetzten Arbeitskräfte beziehungsweise deren Umweltfreundlichkeit. Das heißt also, dass Unternehmen auch aus marktwirtschaftlichen Gründen Interesse haben sollten sich mit dem Thema zu beschäftigen. Zum anderen ist es ganz konkret so, dass natürlich auch durch Nachhaltigkeitskriterien Kosten gespart werden können, beispielsweise, dass längere Server-Laufzeiten möglich sind, dass eine Software auch „länger hält“ oder vielleicht über mehrere Zyklen nutzbar ist und es nicht erforderlich ist, dass neue Hardware beschafft werden muss, damit eine neue Software läuft. Allerdings ist uns natürlich bewusst, dass es dabei auch einen Zielkonflikt geben kann, nämlich bei dem Hardwarehersteller, der möglichst schnell möglichst neue Produkte verkaufen
möchte.

Wir glauben aber, dass es grundsätzlich besser ist, wenn die Softwareentwicklung nachhaltig erfolgt. Man sieht das zum Beispiel dann, wenn der Leiter eines Rechenzentrums zum ersten Mal zu seinem CEO sagt: „Du, also unsere Kosten für Energie haben sich verdoppelt, ich brauche jetzt das doppelte Budget“, und dann sagt der CEO: „Ja wie, doppeltes Budget? Ihr seid doch zur Effizienzsteigerung da.“ Das heißt also, hier hängen die Fragen ganz konkret mit ökologischen Aspekten zusammen. Daher sehen wir das so, dass es eigentlich einen direkten und einen indirekten Nutzen gibt und neben harten Fakten, wie Kosteneinsparungen, gibt es eben auch einen volkswirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Nutzen, der auf das eigene Unternehmen zurückstrahlt.

In Ihrem Forschungsprojekt kooperieren Sie auch mit Unternehmen. Welche Erfahrungen haben Sie denn zum Thema grüne Software in der Praxis gemacht, insbesondere vielleicht auch im Hinblick auf die Motivationsgründe, die wir eben angesprochen haben, die Unternehmen haben könnten?

Prof. Naumann: Wir haben zwei Praxispartner, zum einen die Firma Open Source Consult in Dortmund, die selber ein CMS-Provider ist, mit Ökostrom gehostet wird und das auch als Werbeargument nutzt. Mit dieser Firma zusammen haben wir ein Werkzeug entwickelt, das Menschen beim Surfen im Internet hilft, zu sehen, ob eine Webseite mit Ökostrom gehostet wird. Dafür haben wir eine Menge Provider hinterlegt und deren Ökostrom-Status – das heißt, ob sie einen grünen Stromanbieter haben. Umgesetzt ist das so, dass man beim Surfen mit Firefox sehen kann, ob eine Seite bei einem Web-Hoster liegt, der Ökostrom nutzt.

Ein anderer Partner von uns sitzt in Hamburg; mit ihm sind wir in der Zusammenarbeit noch nicht ganz so weit. Das Unternehmen führt ebenfalls CMS-Systeme ein und etabliert über Software auch ganze Strukturen und Prozesse. Mit diesem Partner wollen wir das Referenzmodell insbesondere bei der Einführung von Softwaresystemen einsetzen. Das heißt, dass beispielsweise die Auswahl von Software hinsichtlich solcher Entscheidungen wie, welches CMS nehme ich und wie konfiguriere ich es, mithilfe des Referenzmodells so gestaltet werden sollen, dass sie möglichst nachhaltig ist.

Im Bereich der mobilen Endgeräte ist eine höhere Akkulaufzeit ein echter Wettbewerbsfaktor. Welche Rolle spielt denn der Einsatz von nachhaltiger Software auf mobilen Geräten Ihrer Meinung nach?

Prof. Naumann: Bei mobilen Geräten liegt es auf der Hand, dass die Energie eine knappe Ressource ist. Was erwartet man in in diesem Bereich? Der Akku soll möglichst lange laufen. Also braucht man Software, die entsprechend effizient ist, daher ist das natürlich ein Feld für die nachhaltige Softwareentwicklung. Allerdings unterscheidet sich die Softwareentwicklung von mobilen Geräten von der für Server oder auch von der für eingebettete Systeme. Man kann vom mobilen Bereich lernen, seine Bedeutung ist groß, und ich denke, sie wird sogar noch größer. Denken wir zum Beispiel an das Internet der Dinge.
Wenn zukünftig noch mehr Dinge vernetzt sind und wenn wir beispielsweise versuchen, aus unserer Umgebung Energie zu ziehen – energy harvesting sei hier als Stichwort genannt – dann sind wir natürlich darauf angewiesen, dass die Software möglichst effizient läuft.

Aus der Sicht des Lehrenden muss ich sagen, dass es immer etwas mühsam ist den Studenten im Bereich Mikroprozessoren näher zu bringen, dass es auch noch Kilobytes gibt, mit denen man sich beschäftigen muss, und wo Speicherplatz auch wirklich auch sparsam behandelt werden muss. Da helfen uns mobile und eingebettete Systeme, um das zu vermitteln. Auch dadurch, dass die Verbreitung mobiler Geräte erheblich zunimmt, sollten wir das Augenmerk verstärkt darauf legen, dass sie energieeffizient sind.

Vielleicht zwei Aspekte dazu: Ein gegenwärtiger Hype ist es, Apps zu programmieren, woran sich auch viele Hobbyprogrammier beteiligen. Und in dem Bereich ist es so, dass zum Beispiel die Guidelines es verbieten, dass lokal gecacht wird, dass also immer eine Verbindung erwartet wird. In diesem Zusammenhang wäre es denkbar, dass die Anbieter von App-Plattformen der ökologischen „App-Entwicklung“ direkt mit ihren Programmierschnittstellen etwas entgegen kommen. Das müssen wir uns allerdings noch genauer anschauen.

Welchen Stellenwert wird Green IT sowie nachhaltige Software in fünf Jahren haben? Lesen Sie im letzten Teil des Interviews die Einschätzung von Prof. Naumann!

Das Interview führten Katharina König und Philipp Rothmann



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